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Mitte des 15. Jahrhundert wurde in Italien neben anderen Bildnistypen – Tafelbilder, Medaillen, Reliefs, Votivstatuen und (Krypto-)Porträts in Historienbildern – die dreidimensionale Porträtbüste modern (BUTTERFIELD 2013, RUBIN 2011): Im Auftrag vermögender Bürger:innen, von Adligen und Klerikern entstanden zahlreiche Büsten in Terrakotta, Marmor oder Gips, die für eine wenngleich reduzierte körperliche Präsenz der Porträtierten sorgten. Für die Herstellung benutzten die Künstler Gipsabdrücke (CENNINI, Kap. 181-184, die ihnen nicht nur die Arbeit erleichterten, sondern das (plastische) Bildnis durch sichtbare indexikalische Spuren (DIDI-HUBERMANN 1994, KOHL 2007, 2013, 2019) autorisierten. Marmorbüsten, die ohne solche traces auskommen mussten, scheinen weniger auf bloße Ähnlichkeit, sondern vor allem auf die Darstellung der „Persönlichkeit“ bzw. ihres „wahren Wesens“ abzuzielen, wofür insbesondere Ausdruck und Haltung mit künstlerischen Mitteln zu gestalten waren.
Das Seminar untersucht anhand des breiten Spektrums an Büsten in der Sammlung des Bode-Museums (BODE 1883, SCHOTTMÜLLER 1923) die Gründe für das Aufkommen dieses Bildnistyps sowie seine Ursprünge und Vorbilder; es diskutiert die Bedeutung von Index, Ähnlichkeit und Ausdruck und fragt nach der Rolle der Herstellung, der Werkzeuge und der verwendeten Materialien.
Wegen der (Block-)Sitzungen im Bode-Museum ist das Seminar auf max. 10 Teilnehmer:innen beschränkt. Teilnahmescheine (sog. Sitzscheine) sind deshalb nicht möglich.
Referate und vor allem Hausarbeiten sollten mit dem gewählten Modul in Zusammenhang stehen. Bitte rechtzeitig absprechen!
Im Seminarraum A072
MA-KuWi 1, 3a, 4, 6a