Veranstaltung

LV-Nummer 3151L0008
Gesamt-Lehrleistung 34,67 UE; 34,67 aUE
Semester SoSe 2026
Veranstaltungsformat LV / Übung
Gruppe „Wiedergutwerdung der Deutschen?“ – Soziologie von Schuld und Versöhnung
Organisationseinheiten Technische Universität Berlin
Fakultät I
↳     Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA)
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Ansprechpartner*innen
Gardei, Esther
Verantwortliche
Gardei, Esther
Sprache Deutsch

Termine (1)


Di. 21.04 - 14.07.26, wöchentlich, 10:00 - 12:00

Charlottenburg
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Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA)

34,67 UE
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Legende
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„Wiedergutwerdung der Deutschen?“ – Soziologie von Schuld und Versöhnung
„Wiedergutwerdung der Deutschen?“ – Soziologie von Schuld und Versöhnung
Charlottenburg, KAI 1315
Mi.
Do.
Fr.
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Das Seminar untersucht soziologische Konzepte von Schuld, „Wiedergutmachung“ und „Versöhnung“ im Kontext der deutschen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kollektive Schuld – insbesondere die „deutsche Schuld“ – gesellschaftlich konstruiert, politisch bearbeitet und kulturell erinnert wird. Dabei geht es auch um die symbolischen und materiellen Praktiken der sogenannten „Wiedergutmachung“ – etwa durch Entschädigungszahlungen, Gedenkpolitik, Schuldbekenntnisse oder erinnerungskulturelle Rituale – sowie um die Kritik und Grenzen solcher Bemühungen. Wir untersuchen darüber hinaus, wie individuelle Schuld von kollektiver Schuld unterschieden wird und welche gesellschaftlichen Funktionen Schuldzuschreibungen übernehmen. Und wir analysieren konkrete Diskurse und Fallbeispiele: Wie wurde der Begriff der Schuld im Nachkriegsdeutschland verhandelt? Welche Dynamiken prägen die vermeintliche Transformation von der Täter- zur Gedenkgesellschaft? Und wie äußert sich sekundärer Antisemitismus in Reaktionen auf Schuldzuschreibungen – etwa in der Abwehrhaltung gegenüber „Erinnerungspflichten“ oder in der Relativierung des Holocaust? Im Seminar wird schließlich auch ein Bogen zu aktuellen politischen Entwicklungen geschlagen – etwa im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine oder globalen Debatten über Kolonialverbrechen –, um Kontinuitäten, Verschiebungen und Konflikte in kollektiven Schuld- und Wiedergutmachungsdiskursen zu beleuchten. Hier fragen wir zum Beispiel nach der Rolle von Museen und Objekten für ‚prognostische Geschichtsschreibungen‘ in diesem Kontext: Inwiefern ermöglichen Objekte die Analyse des „Schuldigwerdens“ und deren museale Inszenierung für die Nachwelt bzw. Zukunft?

Bitte beachten Sie die Hinweise auf Isis! Das Seminar beginnt erst am 21. April, zuvor gibt es Lektüreaufgaben und Hinweise!

 

 

 

Einführende Literatur:

 

Bachhiesl, Christian; Bachhiesl, Sonja Maria; Köchel, Stefan (Hrsg.): Schuld. Interdisziplinäre Perspektiven auf ein Konstitutivum des Menschseins. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2020.

Brumlik, Micha; Funke, Hajo; Rensmann, Lars (Hrsg.): Umkämpftes Vergessen. Walser-Debatte, Holocaust-Mahnmal und neuere deutsche Geschichtspolitik. Berlin: Verlag Hans Schiler 2000.

Lotter, Maria-Sibylla; Fischer, Saskia (Hrsg.): Guilt, Forgiveness, and Moral Repair. A Cross-Cultural Comparison. London/New York 2022.

Rüsen, Jörn: Kann gestern besser werden? Zum Bedenken der Geschichte. Berlin 2002.