Der Handel mit Finanzprodukten wie Anleihen oder Krediten hat eine sehr lange Geschichte. Dennoch diagnostizieren soziologische Analysen und Theorien etwa zu Finanzialisierung oder Finanzmarkt-Kapitalismus eine wachsende Bedeutung von Finanzmärkten für Ökonomie und Gesellschaft der Gegenwart. Das Seminar analysiert Finanzmärkte aus Perspektive der Organisation. Im Zentrum steht dabei eine doppelte Frage: Wie organisieren Finanzmärkte Wirtschaft und Gesellschaft? Und wie werden Finanzmärkte selbst organisiert?
Das Seminar befasst sich erstens mit Gegenwartanalysen zur neuen Relevanz von Finanzmärkten und ihren Handlungslogiken in Ökonomie und Gesellschaft. Welche Rolle spielt etwa die gestiegene Bedeutung des Finanzsektors für Unternehmen? Finden sich Logiken der Finanzialisierung auch im gesellschaftlichen Alltagsleben? Zweitens befasst es sich mit der sozialen und technologischen Organisation von Finanzmärkten. Von Börsenaufsichtsbehörden über Banken und Hedgefonds bis hin zu Finanz-Influencern: Welche formalen Institutionen oder informellen Netzwerke spielen hier eine Rolle? Welche Strukturen und Handlungslogiken prägen das Feld? Das Seminar verbindet klassische und aktuelle Analysen und Positionen der Organisations- und Wirtschaftssoziologie mit empirischen Beispielen und Studien zur sozialen und technologischen Organisation von Finanzmärkten sowie ihren gesellschaftlichen Auswirkungen.