Veranstaltung

LV-Nummer 3100 L 10740
Gesamt-Lehrleistung 28,00 UE
Semester SoSe 2026
Veranstaltungsformat LV / Seminar
Gruppe SE Dating mit Daten. Über die Virtualisierung der Kommunikation und den Verlust des Sozialen
Organisationseinheiten Technische Universität Berlin
Fakultät I
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Ansprechpartner*innen
Hembd, Johanna Marieke
Verantwortliche
Sprache Deutsch

Termine (1)


Mi. 15.04 - 15.07.26, wöchentlich, 16:00 - 17:30

Charlottenburg
,
HBS 421

Fakultät I

28,00 UE
Einzeltermine ausklappen
Legende
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Text- und Medienlinguistik (Seminar)
SE Dating mit Daten. Über die Virtualisierung der Kommunikation und den Verlust des Sozialen
Charlottenburg, HBS 421
Hess-Lüttich, Ernest
Do.
Fr.
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Monika Schwarz-Friesel: Kognitive Medienlinguistik. Anwendungsorientierte Analysen und neueste Forschungsergebnisse

•        Modulzuordnung: MA FW 18a

•        Link zu Isis: folgt

•        Kontakt: tut@linguistik.tu-berlin.de

In diesem Seminar diskutieren wir anhand von wissenschaftlichen Artikeln und Vorträgen neueste Forschungsergebnisse der Sprach- und Kognitionswissenschaft, insbesondere zur Interaktion von Sprache, Kognition und Emotion. Außerdem haben Bachelor-, Master- und Promotionsstudent*innen des Fachgebiets die Gelegenheit, Ihre Abschlussarbeiten und Promotionsvorha ben vorzustellen. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, Feedback, Kritik und Hinweise zu dem aktuellen Arbeitsstand ihrer Forschung zu erhalten und sich mit Kommiliton*innen auszutauschen.


Ernest Hess-Lüttich: Dating mit Daten. Über die Virtualisierung der Kommunikation und den Verlust des Sozialen

•        Modulzuordnung: MA-SK FW 18a, BA-KulT FW SK 8 & 12

•        Link zu Isis: folgt

•        Kontakt: hess-lüttich@campus.tu-berlin.de

Digitalisierung! Künstliche Intelligenz! Lange wurde sie lautstark gefordert, dann euphorisch begrüßt, inzwischen treten aber auch ihre negativen Folgen zutage. Zwei Lager ("Boomer" und "Doomer") stehen dabei einander gegenüber. KI-Pioniere wie Ray Kurzweil feiern das Potential. Bald schon würden wir mittels Chip-Implantaten die Neuronen unseres Neokortex direkt mit Rechnern verbinden und uns damit das Wissen der Welt verfügbar machen können. Selber Lesen, Lernen, Rechnen werde überflüssig. Die "Transhumanisten" des Silicon Valley arbeiteten bereits an der Fusion von KI und Mensch. Neurobiologen dagegen beobachten, dass die Nutzung von ChatGPT die Entwicklung der neuronalen Vernetzung einschränke. Geographen sehen die Fähigkeit zur Orientierung im Raum durch Navigationssysteme gefährdet. Kognitionspsychologen beklagen eine zunehmende "digitale Amnesie". Bildungsforscher besorgt der Verlust des Interesses bei gleichzeitigem Informations-Overkill. Linguisten sehen die Sprachentwicklung bedroht ("deprivation of linguistic capacities", NYT). Juristen fragen nach der Verantwortlichkeit von Menschen, die ihre Entscheidungen an die KI delegiert haben (etwa beim Einsatz KI-gesteuerter Waffensysteme). Politologen sehen den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft bedroht und das Verständnis demokratischer Prozesse schwinden. Soziologen diskutieren die Bedingungen kommunikativer Verständigung, wenn die Grundlage gemeinsamer Realitätswahrneh-mung schwindet (was ist 'wahr', was "fake"?). Psychotherapeuten schlagen Alarm angesichts der Ex-plosion potentieller Kontaktmöglichkeiten bei gleichzeitiger Vereinsamung. Viele Jugendliche verbrin-gen täglich sechs bis sieben Stunden mit ihren Handys, sehen Gewalt und Pornographie, vergleichen die Empfehlungen zur Optimierung ihrer Profile auf Instagram und TikTok und wechseln auf der Suche nach einem Gespräch zwischen allerlei Dating-Portalen wie Tinder, Bumble, Hinge, Grindr … – bis sie bei Love-Scammern landen und um eine Erfahrung reicher sind. Gegen die Enttäuschung suchen sie psychologische Hilfe im Netz und landen bei "Mental Health Influencern", die mangels Fachkenntnis gegen Gebühr mehr Schaden anrichten als Nutzen bieten. – In dieser Lage fordern immer mehr Pädagogen Regeln der Nutzung von KI und Philosophen die Entwicklung einer "Digitalen Ethik". Ihr widmet sich das Seminar aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Die kontroversen Argumentarien beider Seiten, der Skeptiker wie der Apologeten, stehen zur Debatte.

 

Zur vorläufigen Orientierung:

Behrendt, Hauke 2026: Ethik der Digitalisierung, Bielefeld: transcript

Fenner, Dagmar 2025: Digitale Ethik, Tübingen: Narr

Hao, Karen 2025: Empire of AI – Dreams and Nightmares in Sam Altman's OpenAI, New York: Penguin Press

Hess-Lüttich, Ernest W.B. 2025: "Technologieoffenheit? Zur Diskursethik in den Technikwissenschaften", in: Sebastian Böhmer & Thorsten Unger (eds.) 2025: Technisches Handeln und Verantwortung, Wiesbaden: Springer, 171-190

Nida-Rümelin, Julian & Nathalie Weidenfeld 2018: Digitaler Humanismus. Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München: Piper

Reckwitz, Andreas 2024: Verlust. Ein Grundproblem der Moderne, Berlin: Suhrkamp

Simon, Judith (ed.) 2020: The Routledge Handbook of Trust and Philosophy, Abingdon: Routledge

Simon, Judith, Gernot Rieder & Jason Branford 2024; "The Philosophy and Ethics of AI: Conceptual, Empirical, and Technological Investigations into Values", in: Digital Society 3.10 (2024): 1-13

Weber-Guskar, Eva 2024: Gefühle der Zukunft. Wie wir mit emotionaler KI unser Leben verändern, Berlin: Ullstein / Bonn: bpb

Zweig, Katharina 2025: Weiß die KI, dass sie nichts weiß? ChatGPT und Co. einfach erklärt, München: Heyne