SE Wer erzählt und von wo? Perspektive, Macht und Wissen im Film
MA-DaFF 5 – MA-Med 7/9
Mitt. 12-14
HBS 2.05
Filme erzählen Geschichten, doch sie tun dies nie aus einer neutralen Position. Jede filmische Erzählung ist an einen bestimmten Blick gebunden: an Körper, Orte, historische Kontexte und Machtverhältnisse. Das Seminar „Wer erzählt und von wo? Perspektive, Macht und Wissen im Film“ setzt genau hier an und fragt danach, wie Filme Wissen produzieren, welche Perspektiven sie sichtbar machen und welche sie ausblenden.
Ausgehend von filmwissenschaftlichen, feministischen und postkolonialen Ansätzen untersucht das Seminar Filme nicht nur als ästhetische Objekte, sondern als epistemische Praktiken: als Formen des Wissens, die durch Bilder, Körper, Affekte, Rhythmen, Stimmen und Schweigen entstehen. Im Zentrum steht die Frage, wie filmische Mittel – Kamera, Montage, Ton, Narration, Blickführung – an gesellschaftliche Machtverhältnisse gebunden sind und wie sie alternative Formen des Sehens und Erkennens ermöglichen.
Ein zentraler theoretischer Bezugspunkt ist das Konzept der situated knowledges, entwickelt von Donna Haraway. Ohne theoretische Vorkenntnisse vorauszusetzen, erarbeiten wir die Idee, dass Wissen stets situiert, verkörpert und verantwortlich ist – und dass auch das Kino kein allwissender Beobachter, sondern immer Teil dessen ist, was es zeigt. Ergänzend dazu werden Perspektiven der postkolonialen Theorie, der feministischen Filmtheorie sowie Konzepte wie Subalternität, Gegenarchiv und Grenzräume (borderlands) herangezogen, um die politischen Dimensionen filmischer Perspektiven zu analysieren.
Anhand ausgewählter Filme aus unterschiedlichen kulturellen und geopolitischen Kontexten fragt das Seminar unter anderem:
• Wer erzählt die Geschichte – und aus welcher Position?
• Welche Formen von Wissen werden filmisch hervorgebracht?
• Wie artikulieren sich Körper, Affekte, Erinnerung oder Schweigen als Wissensformen?
• Inwiefern können Filme dominante Narrative hinterfragen und Gegenwissen erzeugen?
Das Seminar verbindet theoretische Lektüre, gemeinsame Filmanalyse und diskussionsorientierte Sitzungen. Ziel ist es, ein kritisches Verständnis dafür zu entwickeln, dass filmisches Sehen nie unschuldig ist und dass das Kino ein zentraler Ort
ist, an dem gesellschaftliches Wissen nicht nur dargestellt, sondern aktiv produziert, verhandelt und in Frage gestellt wird.
Literatur:
Haraway, Donna (1988): Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective.
Spivak, Gayatri Chakravorty (1988): Can the Subaltern Speak?
Anzaldúa, Gloria (1987): Borderlands / La Frontera: The New Mestiza.
Mulvey, Laura (1975): Visual Pleasure and Narrative Cinema.