Veranstaltung

LV-Nummer 06371300 L 20
Gesamt-Lehrleistung 37,33 UE; 37,33 aUE
Semester SoSe 2026
Veranstaltungsformat LV / Seminar
Gruppe Die Gegenwart auf den Begriff bringen. Soziologische Gesellschaftsdiagnosen (Pritz)
Organisationseinheiten Technische Universität Berlin
Fakultät VI
↳     Institut für Soziologie (IfS)
↳         36371300 FG Soziologie, insbesondere Theorie moderner Gesellschaften
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Ansprechpartner*innen
Pritz, Sarah Miriam
Verantwortliche
Sprache Deutsch

Termine (1)


Mi. 15.04 - 15.07.26, wöchentlich, 12:00 - 14:00

Charlottenburg
,

36371300 FG Soziologie, insbesondere Theorie moderner Gesellschaften

37,33 UE
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Legende
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Vertiefung soziologischer Theorien (Seminar)
Die Gegenwart auf den Begriff bringen. Soziologische Gesellschaftsdiagnosen (Pritz)
Charlottenburg, FH 303
Pritz, Sarah Miriam
Do.
Fr.
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Soziologische Gesellschaftsdiagnosen (auch: Zeit- oder Gegenwartsdiagnosen) interessieren sich für die zentralen Entwicklungslinien, Umbrüche und Krisen von Gesellschaften der Gegenwart. Ihr Ziel besteht darin, die ‚Signatur unserer Zeit‘ theoretisch zu interpretieren und begrifflich auf den Punkt zu bringen. Gesellschaftsdiagnosen liefern Deutungsangebote, Einordnungen und kritische Perspektiven zur gesellschaftlichen Selbstverständigung und zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie auch über die Grenzen des Fachs hinaus Aufmerksamkeit generieren. 

Im Seminar werden wir uns einerseits mit klassischen und aktuellen soziologischen Gesellschaftsdiagnosen auseinandersetzen. Ausgehend von der „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) als einem zentralen Referenzpunkt dieses ‚Genres‘ und neueren Debatten über die ökologische „Katastrophenzeit“ (Sighard Neckel) schlagen wir den Bogen zu weiteren Diagnosen der Gegenwart. Dazu gehören etwa Analysen einer von „Beschleunigung und Entfremdung“ sowie der Suche nach „Resonanz“ geprägten Moderne (Hartmut Rosa), kultursoziologische Deutungen der Spätmoderne als „Gesellschaft der Singularitäten“ und ihrer Verlustdynamiken (Andreas Reckwitz), Untersuchungen zur ambivalenten Subjektivierungsform der Selbstoptimierung (u.a. Ulrich Bröckling, Anja Röcke) sowie Analysen der emotionalen Dynamiken, die die Moderne seit ihren Anfängen unter Hochspannung setzen (Eva Illouz).

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit einzelnen Diagnoseangeboten verfolgt das Seminar andererseits eine reflexive Perspektive, welche es zugleich ermöglicht, Fragen nach dem Selbstverständnis der soziologischen Disziplin zu thematisieren: Welcher Stellenwert kommt der soziologischen Gesellschaftsdiagnostik innerhalb der Soziologie zu? Wo liegen ihre Stärken, wo aber auch ihre Schwierigkeiten? Wie gehen gesellschaftsdiagnostisch arbeitende Soziolog­:innen eigentlich vor? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Gesellschaftsdiagnose und Gesellschaftstheorie, zwischen Soziologie und (Gesellschafts-)Kritik? Und nicht zuletzt: Mit welchen anderen gesellschaftlichen Instanzen – etwa Journalismus, Literatur, Film oder Kunst – konkurriert die Soziologie, wenn es darum geht, die Gegenwart auf den Begriff zu bringen?