Vermögen rückt in zunehmender Weise in den Vordergrund wirtschaftssoziologischer Forschung. Hierbei geht die Analyse über rein messbare Zahlen hinaus - viel eher geht es beispielsweise darum zu verstehen, wer überhaupt vermögend wird, wie diese Personen vermögend werden, wie Vermögen weitergegeben wird, wie Vermögende ihre Lebenschancen strukturieren und wie sich dies auf die Gesellschaft im weiteren Sinne auswirkt. Im Zuge jüngerer Forschung wird hierbei klar, dass Unternehmerfamilien und Wirtschaftseliten zentrale Akteur*innen im Kapitalismus darstellen, die als Unternehmer*innen und Philanthrop*innen häufig durch die aktive Nutzung von Recht und Governancemechanismen eine bedeutende, wenngleich oft verborgene Rolle bei der gesellschaftlichen Strukturierung spielen.
Hier stellen sich allerlei Anschlussfragen: Wie schaffen Eliten es, Reichtum zu legitimieren? Wie sorgen sie für Kohäsion innerhalb ihrer Familien? Durch welche Mechanismen wirkt sich so stark zentralisierte ökonomische Macht gesellschaftlich aus? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig und von zentralem Interesse aktueller organisations-, rechts- und wirtschaftssoziologischer Forschung.
Das Seminar behandelt vor diesem Hintergrund die Beziehungen zwischen dem Trias von (1) Vermögen, (2) Familien und (3) Recht bzw. Governance. Diese Beziehungen werden sowohl konzeptionell als auch anhand empirischer Beispiele dargestellt. Ein zentraler Aspekt des Kurses ist dabei ein soziologischer Blick auf den Aufbau von Vermögensarchitekturen und die Nutzung dieser, um Vermögen zu erhalten und gesellschaftlich Einfluss zu nehmen.