Von ELIZA bis ChatGPT – soziale Beziehungen mit künstlicher Intelligenz?
Künstliche Intelligenz ist dem Menschen in der Herstellung zwischenmenschlicher Nähe in emotionalen Interaktionen überlegen – so überschreiben Forschende der Universitäten Freiburg und Heidelberg ihre jüngste Studie zur Frage, ob und wie Menschen in der Interaktion mit künstlicher Intelligenz Beziehungen aufbauen. Tatsächlich ist mit Blick auf Large Language Models seit einiger Zeit beobachtbar, dass nicht nur Nutzungsweisen mit Blick auf Produktivität und Workflow zunehmen, sondern auch solche, die klassisch nicht dem technischen Spektrum zuzurechnen sind. LLM-Anwendungen wie Gemini, Claude und ChatGPT scheinen zunehmend Adressat:innen zur Herstellung von Beziehungsformen zu werden, die bislang mit wenigen Ausnahmen klar dem Zwischenmenschlichen vorbehaltenen waren. Das kann die Form von alltäglichem Zeitvertreib annehmen, aber auch von freundschaftlichen, intim-romantischen oder gar therapeutischen Beziehungsformen wird immer wieder berichtet.
In diesem Seminar wollen wir uns damit befassen, wie und welche Beziehungen wir mit Technik aufbauen und welche neuen Nutzungsweisen Large Language Models hier ins Spiel bringen. Mit einem Blick in die Vergangenheit werden wir feststellen, dass daran keineswegs alles neu ist. Dennoch scheinen zeitgenössische digitale Techniken in besonderem Maße auf unsere Affekte und Emotionen abzuzielen, was auch auf gesellschaftlicher Ebene kritische Fragen aufwirft, denen wir uns im weiteren Seminarverlauf zuwenden wollen.