„Themenkonjunkturen sind Begriffskonjunkturen“, wie der Soziologe Armin Nassehi konstatiert. Und kaum ein Thema dürfte nach dem von der Hamas an der israelischen Zivilbevölkerung verübten Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza, dem tausende palästinensische Zivilisten zum Opfer fielen, eine derartige Konjunktur erfahren haben, wie der Antisemitismus, der sich in verschiedenen Gestalten so offen wie schon lange nicht mehr auf Berlins Straßen zeigte. Dementsprechend kam es in öffentlichen Debatten zu einer Konjunktur von Begriffen, mit denen Politiker*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen die Phänomene zu beschreiben und zu begreifen suchten: linker Antisemitismus, postkolonialer Antisemitismus, importierter Antisemitismus, israelbezogener Antisemitismus, islamistischer, islamischer oder muslimischer Antisemitismus. Worin unterscheiden sich die verschiedenen Antisemitismus-Begriffe? Für welche Probleme bieten sie eine Lösung? In diesem Seminar werden wir versuchen, die Begriffe zu ordnen und sie voneinander zu differenzieren. Vor allem aber werden wir uns dem analytisch eher unscharfen Begriff des muslimischen Antisemitismus zuwenden und ihn genauer betrachten.
Literatur:
- David Ranan: Muslimischer Antisemitismus. Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden?
- Sina Arnold: Antisemitismus unter Menschen mit Migrationshintergrund und Muslim*innen, URL: https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/MEDIENDIENST-Expertise_Antisemitismus_unter_Menschen_mit_Migrationshintergrund_und_Muslimen.pdf