Valleriani, Matteo
LV-Nr.: 3131 L 111
tba
SE Kosmologien als Spiegel der Gesellschaft: Von Pythagoras bis Einstein
Vorbesprechungstermin: Mo. 13.04.2026 12 Uhr Raum: FH 312
Termine: Mo. 20.07.- Do. 23.07.2026 10-13 Uhr und 14-15:30 Uhr
Anmeldung über ISIS
Raum: MAR 0.002
Wie haben Menschen den Himmel gedeutet - und was sagt das über Gesellschaften aus? Das Seminar verfolgt Kosmologien von der Antike bis zur Relativitätstheorie. Wir behandeln Pythagoras, Platon, Aristoteles und das ptolemäische Weltbild, ebenso mittelalterliche Modelle sowie Kopernikus und Kepler. Newtons Mechanik und Einsteins Relativitätstheorie bilden den Abschluss der Reihe. Im Zentrum steht die doppelte Funktion jeder Kosmologie: Bild und Spiegel. Kosmologien zeigen Himmelsordnungen und zugleich soziale Hierarchien. Wir analysieren Texte, Bilder und Diagramme zu Raum-, Zeit-, und Harmoniebegriffen. Erwartet werden Lektüre, Diskussion und ein Input zu einem Thema.
Emile Durkheim gemeinsam lesen
Modul: Vertiefung Gesellschaftsanalyse (3LP)
Dienstag 8-10 Uhr
Raum MAR 0.002
Um sich dem Werk von Emile Durkheim anzunähern und dessen Bedeutung für die soziologische Theorieentwicklung sowie das Selbstverständnis der Soziologie als Disziplin zu verstehen, werden wir uns im Seminar hauptsächlich mit dem Werk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ auseinandersetzen - ein umfassendes Werk, dass sich der Struktur und Entwicklung von Wertsystemen und der Herausbildung und des sozialen Ursprungs von Kategorien annimmt. Damit ist es nicht nur ein Schlüsselwerk der Religionssoziologie, sondern entwirft auch ein wissens- und erkenntnissoziologisches Programm.
TeilnehmerInnen müssen keine Durkheim-Experten sein - vielmehr ist es Ziel des Seminars, ein Schlüsselwerk der Soziologie vertieft zu erarbeiten und darüber zentrale Grundzüge einer der Begründer der Soziologie und Wegbereiter des Strukturalismus kennenzulernen. In der gemeinsamen Diskussion setzen wir uns nicht nur mit dem Text auseinandersetzen, sondern besprechen auch den historischen und politischen Kontext Durkheims Schaffens, kritische Rezensionen seines Werks und relevante Weiterentwicklungen. Das Seminar soll damit Möglichkeit geben, im Laufe eines Semesters sich in Ruhe mit einem Schlüsselwerk zu beschäftigen, und sich dabei auch gegenseitig über Lesemethoden- und strategien auszutauschen.
Bei aller Unterschiedlichkeit der soziologischen Perspektiven auf unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft leistet sich die Soziologie ein Genre, das alle gesellschaftlichen Trends und Krisenphänomene auf eine einzige Ursache zurückführt und auf einen einzigen Begriff von Gesellschaft bringt: die Gesellschaftsdiagnosen.
Gesellschaftsdiagnosen gelten in der Soziologie als etwas anrüchig, vor allem auf Grund ihrer Nähe zu massenmedialen Darstellungsweisen Immerhin sind Monografien wie die „Risikogesellschaft“ oder die „Netzwerkgesellschaft“ Bestseller und werden weit über die Soziologie hinaus rezipiert. Zwar besteht im Fach Einigkeit darüber, dass es sich den Gesellschaftsdiagnosen weder um echte Gesellschaftstheorie noch um echte empirische Forschung handelt, sondern um ein eigenes Genre am Rand der Soziologie. Dennoch gibt es nur wenige Stimmen, die die Gesellschaftsdiagnosen ganz aus dem Fach verbannen wollen. Es ist vielmehr eine differenzierte soziologische Sekundärliteratur entstanden, in der auf unterschiedliche Weise die spezifischen Stärken und Schwächen dieses Genres herausgearbeitet werden.
Im ersten Teil des Seminars werden einige der bekanntesten Gesellschaftsdiagnosen behandelt, etwa Spielarten der zuspitzenden Beschreibung des Kapitalismus bzw. der Globalisierung oder die Risiko-, Erlebnis- und Netzwerkgesellschaft sowie die beschleunigte Gesellschaft. Im zweiten Teil des Seminars werden die wichtigsten Positionen aus der genannten soziologischen Sekundärliteratur zu den Gesellschaftsdiagnosen behandelt.