Lernergebnisse
Die Studierenden können nach erfolgreichem Bestehen des Moduls eigenständig Streckenabschnitte und Knotenpunkte von Hauptverkehrsstraßen und Erschließungsstraßen planen und entwerfen. Sie sind in der Lage, bedarfsorientierte Flächenzuweisung im öffentlichen Raum durchführen und verkehrssichere und bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur für alle Nutzungsansprüche entwerfen zu können. Zu diesem Zweck können Sie eigenständig mit den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) sowie ihrer nachgeordneten Regelwerke (s.u.) arbeiten und die zugrundeliegenden, sicherheitsrelevanten Entwurfsprinzipien (z.B. Einheit von Bau und Betrieb, Abschnittsbildung) anwenden.
Dazu können sie im Einzelnen:
Aktuelle Nutzungsansprüche an Straßenräume anhand der städtebaulichen Nutzung, Beobachtungen vor Ort und in entsprechenden Planunterlagen (z.B. Bebauungspläne, Verkehrsnetze) identifizieren. Sie können darüber hinaus zukünftige Veränderungen der Nutzungsansprüche anhand von absehbaren Nutzungsänderungen und übergeordneten Planwerken identifizieren und in ihren Aus- und Wechselwirkungen abschätzen. Sie können diese Nutzungsansprüche des Weiteren begründet und nachvollziehbar gegeneinander priorisieren.
Die Studierenden können die folgend aufgelisteten technischen Regelwerke des Straßenentwurfs (in ihrer jeweils aktuell gültigen Fassung) zielgerichtet selbstständig anwenden:
- Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt)
- Ad-hoc-Arbeitspapier Ergänzende Handlungsanleitungen zur Anwendung der RASt 06
- Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs (EAR)
- Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Nahverkehrs (EAÖ)
- Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen (EFA)
- Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA)
- Empfehlungen zur Anwendung von FGSV-Veröffentlichungen im Bereich Verkehr zur Erreichung von Klimaschutzzielen (E Klima) sowie korrespondierende Steckbriefe
- Radverkehrsplan des Landes Berlin (RVP)
Sie verstehen verschiedene Entwurfsmethodiken und können mithilfe der „städtebaulichen Bemessung“ selbstständig einen eigenen Regelquerschnitt auf Basis der erhobenen und priorisierten Nutzungsansprüche erstellen, den sie sodann zu einem Lageplan weiterentwickeln können. Dabei auftretende Nutzungskonflikte können die Studierenden zielorientiert und plausibel nachvollziehbar auflösen. Sie bilden städtebaulich begründete Abschnitte und gewährleisten größtmögliche Verkehrssicherheit.
Die Studierenden verstehen darüber hinaus das komplexe Gefüge von StVO, VwV-StVO, landesgesetzlichen Planungsvorgaben (z.B. MobG BE) und technischen Regelwerken sowie die ihre komplexen rechtlichen Implikationen. Sie können sich daraus ergebende Probleme als solche erkennen und bewältigen.
Schließlich sind die Studierenden in der Lage, für alle Verkehrsarten sichere Anlagen des Straßenverkehrs zu konzipieren. Dazu kennen sie die Zielfelder Verkehrssicherheit, Verkehrsqualität, Umfeld und Straßenraumgestalt und können begründete Abwägungsentscheidungen dazwischen treffen. Sie verstehen zudem die Bemessungsmethoden, Wirtschaftlichkeitskriterien und Ansprüche sozialer Brauchbarkeit beim Bau von Straßenverkehrsanlagen.
Sie kennen verschiedene Möglichkeiten der punktuellen und flächenhaften Verkehrsberuhigung und können diese gezielt in eigene Entwürfe einbinden. Darüber hinaus sind sie in der Lage, verschiedene Planungsprinzipien (Trennung, Mischung, sanfte Separation) anzuwenden, wobei sie ihre Einsatzmöglichkeiten und -grenzen und ihre jeweiligen Kernelemente und Praxisbeispiele verstehen und berücksichtigen.
Die Studierenden können Knotenpunkte hinsichtlich ihrer Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit für alle Verkehrsteilnehmenden anhand der Kriterien Erkennbarkeit, Begreifbarkeit, Übersichtlichkeit und Befahrbarkeit kritisch beurteilen und eigene Verbesserungsvorschläge dazu entwickeln. Sie können selbstständig eigene Knotenpunkte geringer Komplexität komplett entwerfen.
Die Studierenden können ihre eigenen Entwürfe hinsichtlich der Zielfelder kritisch beurteilen und Schwachstellen aktiv benennen. Dafür nutzen sie das allgemeine Vorgehen des Sicherheitsaudits für Straßen.
Abschließend können die Studierenden die Gestaltung von Straßenräumen in den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs um die Einhaltung der Klimaziele, der gerechten Verteilung von Räumen und der Milderung der Folgen der Klimaerwärmung einordnen und nachhaltige Lösungen finden.