Lehrinhalte
Seit der Renaissance werden Aspekte nicht nur des theologischen und mystischen, sondern auch des anbrechenden wissenschaftlich-technischen Wissens künstlerisch thematisiert (wie umgekehrt die bildgebenden Verfahren der Kunst das wissenschaftliche Experiment nicht nur dokumentiert, sondern auch generiert haben). Mit dem Fortschritt des naturwissenschaftlich-technischen Zeitalters im 18. Jahrhundert entwickeln sich in Zentraleuropa kontrastierende Bildwelten, die diesen Fortschritt verherrlichen, andere, die gesellschaftskritisch seine Folgen und Begleiterscheinungen geißeln, und wieder andere, die sich im Geiste der Romantik und des Eskapismus in vermeintlich goldene Vergangenheiten oder alternative Lebensformen (Reformbewegungen) zurück oder hinweg sehnen. Die Forderung, Kunst und Leben / technischen Fortschritt zu versöhnen, ist - spätestens seit der Gründung des Deutschen Werkbundes 1907 - ein zentrales Thema der bildenden und angewandten Künste und Medien sowie der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das gilt auch da, wo die Kunst sich zur Anklage gegen den Zivilisationsbruch erhebt. Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen der technischen, wissenschaftlichen und medialen Verfasstheit der Welt und den sich verändernden Definitionen der „conditio humana“ sind auch für die Gegenwartskunst höchst aktuell und bieten eine Fülle thematischer Perspektiven.